Die Zähne des Kaninchens: ständig wachsen sie…eine Problemquelle?

Die Kaninchen sind Lagomorpha. Sie besitzen eine  Mundhöhle mit kleiner Öffnung, mit ständig wachsenden Zähnen(Hypselodontie).  Es sind 28 an der Zahl: 4 Schneidezähne, 6 kleine Backenzähne und 6 Backenzähne im oberen Kiefer  und 2 Schneidezähne, 4 kleine Backenzähne und 6 Backenzähne  im unteren Kiefer. Sie besitzen keinen Eckzahn! Ihre Schneidezähne dienen dazu, die Pflanzen zu schneiden, während die Backenzähne (die sich an der inneren Backenseite befinden) dazu dienen, die faserartigen Pflanzen zu zerdrücken und zu zermahlen. Beim Kaninchen berühren sich die unteren und oberen Backenzähne im Ruhestand nicht. Die Kaubewegungen sind lateral bei den kleinen Backenzähnen und den Backenzähnen und anterior-posterior für die Schneidezähne.

Der Ursprung eines schlechten Zahnverschlusses:

  • Angeboren:  wie bei den Zwergen-Rassen, die aufgrund ihrer kleinen Figur, ihr abgerundeter Kopf ausgesucht sind. Sie besitzen ein verkürztes Gebiss, wo die Kooptation mangelhaft sein kann. Die Tierfortpflanzung, die diese angeborenen Anomalien präsentieren, ist daher zu verbieten.
  • Traumatisch: aufgrund eines Sturzes oder aufgrund des Kauens der Käfiggitterstäbe.
  • Ernährungsmässig: denn die Abnutzung der Kaninchenzähne erfolgt aufgrund der Bewegungen beim Zerkauen der Nahrung. In der Natur erfolgt das Zerkauen der Pflanzenfasern auf einer permanenten Art und das Abnutzen wird durch die Kieselsäure, die in den frischen Pflanzen enthalten ist, verstärkt. Leider ist die Verabreichung der industriellen Nahrung an unseren Haus-Kaninchen nicht ausreichend um die Zähne abzunutzen, denn die Körner rufen einen schnellen Sättigungsstatus hervor. Da das Tier kein Hunger mehr hat, ist es auch nicht mehr aufgefordert auf einer permanenten Art weiter zu kauen.
  • Metabolisch: aufgrund einer Demineralisierung des Kopfskelettes.

Die klinischen Zeichen:

  • Schwäche, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Anorexie
  • Verdauungsanzeichen
  • Hautanzeichen
  • Augenanzeichen

Die Diagnose:

  • Die Untersuchung der Mundhöhle  bei einem wachen Kaninchen sieht man nur +/-25% der Verletzungen. Um eine komplette Untersuchung der Mundhöhle zu machen, werden daher eine Endoskopie und eine Generalanästhesie gebraucht.
  • Die Schädelröntgenaufnahme erlaubt es die Zahnpathologie einzuschätzen, das Wachstum der Wurzeln, einen anormalen Wachstum der Backenzahnkronen oder eine Knochenlyse (Demineralisierung) klar hervorzuheben.
  • Die bakterielle Kultur und das Antibiogramm sind bei einer Entzündung in Zusammenhang mit einer Zahnpathologie durchzuführen
  • Die Augenuntersuchung ist notwendig bei Augenanzeichen wie tränende Augen oder Glotzaugen (Auge, das Tendenz hat aus der Augenhöhle zu kommen).

Die Behandlung:

Zwei Lösungen existieren:

  1. Die Länge der Schneidezähne verkürzen (Schnitt) und/oder der (vorderen) Backenzähne (Schleifen)
  2. Entfernung der Schneidezähne und/oder der (vorderen) Backenzähne: das ist die Behandlung nach Wahl für den angeborenen Zahnverschluss der Schneidezähne.

Man muss sich gut dessen Bewusst sein, dass das Problem sehr häufig wieder auftreten kann, in der Regel nach 6 bis 10 Wochen.

Bei einem Abszess wird die Behandlung mit einem chirurgischen Eingriff unter Betäubung vorgenommen. Sie muss mit dem Besitzer des Tieres besprochen werden und eine Einschätzung in Funktion der Prognose ist notwendig. Ausserdem kann ein Rückfall auftreten. In den strengsten Fällen kann die Euthanasie leider angedeutet werden. Weiterhin ist eine antibiotische Verabreichung auf Basis des Antibiogrammes notwendig. Eine nur medizinische Behandlung des Abszesses ist oft illusionär.

Die post-operativen Behandlungen :

Das Kaninchen wird es während einer Woche schwer haben sich zu ernähren. Der Besitzer müsste dem Tier daher helfen, anhand von Flüssignahrung, die, wenn notwendig, mit einer Spritze verabreicht wird.
Eine Antibiotika-Therapie könnte angewiesen werden. Die Wahl der Antibiotika wird auf Basis der Kulturen und der Resultate des Antibiogrammes erstellt.